Deutschland sucht den Superschwan

Von Raymund Krauleidis | 26. Mai 2008 | Kategorie: Satirenews

Wenn die Temperaturen über 20° Celsius klettern und vorwiegend Tiere in das Zentrum des medialen Interesses rücken, ist das Sommerloch meist nicht mehr weit: im Juli 1994 entfloh der Kaiman “Sammy”, 1998 büchste das Rotnackenwallaby “Manni” aus und im Juni 2001 versetzte das “Rheinkrokodil” Deutschland ebenso in Angst und Schrecken wie keine fünf Jahre später der Braunbär Bruno. Mittlerweile geht der Trend zum Schwan.

schwan_kl-kopie.jpgWar es 2006/2007 noch die Geschichte um die Trauerschwandame Petra und ihrer großen Liebe - einem weißen Tretboot - die die ganze Nation zutiefst bewegte, beschäftigt uns in diesem Vorsommer bislang hauptsächlich eine bizarre Schwan-Pudel-Mischung namens Gesine.

Doch welches der beiden Federgetiere hat wirklich das Zeug dazu, Deutschlands Superschwan zu werden? Wir haben die Siegchancen der beiden Titelanwärter für Sie analysiert.

Optik / repräsentative Wirkung

Ihre grazile Figur und ihr wohlgeschwungener, langer Hals machen Petra zu einem wahren Augenschmeichler. Petras Gefieder und ihre Beine sind anmutig schwarz gefärbt; die gelockten Federn an den Flügelrändern runden das Bild zusätzlich ab. Bei Auslandsbesuchen dürften ihr die Herzen nur so zufliegen.

Gesine verfügt wahrscheinlich über einen relativ guten Charakter. Immerhin. Klarer Punkt für Petra.

Rhetorische Fähigkeiten

Gesine ist Professorin für Politikwissenschaft und lehrte bislang unter anderem in Berlin, Washington, New York und Cambridge. Zudem bekleidete sie im Laufe ihrer Karriere mehrere politische Ämter. In Insiderkreisen gilt sie mit ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Vollprofi in Sachen Rhetorik.

Petras Sprachschatz beschränkt sich auf eine einstellige Anzahl trompetenartiger Laute. Äußerungen zu tagespolitischen Themen dürften ihr somit ebenso schwer fallen wie Kommentare zur Arbeit der jeweiligen Regierung. Das könnte ihr viele Stimmen aus dem Lager der CDU/CSU einbringen. Somit: Punkt für Petra.

Bildung

Gesine studierte nach ihrem Abitur Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an den Universitäten in Berlin und Freiburg. Im Jahr 1970 schloss sie ihre Promotion über den polnischen Philosophen Leszek Kołakowski erfolgreich ab.

Petra ist zu doof, ihre Artgenossen von Tretbooten zu unterscheiden. Anschlusstreffer für Gesine.

Skandale

Gesine und ihr Ehemann sind dafür bekannt, Spenden auch gerne an Dienstleistungsangebote zu koppeln. Doch die beiden zeigten jüngst Reue und gelobten Besserung. “Dagegen gibt’s doch bestimmt auch was von Ratiopharm”, soll Gesine in diesem Zusammenhang gesagt haben.

Zudem kritisiert die Union ihren offensichtlichen Flirt mit den Linken.

Petra hat ihrer Gefiederfarbe zum Trotz eine schneeweiße Weste. Selbst das Verhältnis mit einem Nicht-Artgenossen wurde ihr in den Medien nicht angekreidet - wahrscheinlich auch deshalb, weil sich das Tretboot bislang noch standhaft Petras sexuellen Annährungsversuchen widersetzt. Punkt für Petra.

Name

Horst” ist ja bereits äußerst grenzwertig - aber können Sie sich vorstellen, in einem Land zu leben, dessen Staatsoberhaupt auf den Namen “Gesine” hört (ein Wort, das übrigens nicht einmal von der Word-Rechtschreibprüfung erkannt wird)?

Wir auch nicht!
Spiel, Satz und Sieg Petra!

 

Herr Beck, Sie wissen jetzt hoffentlich, was im Sommerloch 2008 zu tun ist…



(c) Raymund Krauleidis 2008
Bild: Flickr / Allseasons & Institute for Human Sciences

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