Money for nothing…
Von Raymund Krauleidis | 13. April 2008 | Kategorie: Alltäglicher Wahnsinnphoto credit: sublowkiddo
Neulich entdeckte ich bei ebay durch Zufall eine alte Autogrammkarte des Fürsten Rainier von Monaco sowie seiner verstorbenen Gattin, der Fürstin Gracia Patricia. Preis: stolze 2.500 €. Beinahe wäre meine Signatur genau soviel wert geworden. Beinahe…
Es gibt auf diesem Planeten eine Menge unnützer Dinge. Der Blinddarm zum Beispiel. Oder Jucken an Körperstellen, an die der Arm nicht hinreicht. Oder: Immobilienmakler.
Ich habe mir in letzter Zeit des Öfteren erfolglos Gedanken darüber gemacht, weshalb die Zivilisation so etwas wie Immobilienmakler hervorgebracht hat, respektive welcher tiefere Sinn sich aus deren bloßer Existenz ergibt.
Wie würden Sie beispielsweise reagieren, wenn Ihnen nach einem Döner Kebap gelüsten würde und vor der Dönerbude Ihrer Wahl ein seriös bekleideter Mensch stünde, der Sie davon in Kenntnis setzte, dass Sie das belegte Fladenbrot nur noch aus seiner Hand und gegen eine kleine Servicepauschale in circa 2,38-facher Höhe des ortüblichen Dönerpreises (aber immerhin bereits inklusive Umsatzsteuer) bekämen? Genau: Sie würden höchstwahrscheinlich den Knoten seines Burberry-Schals etwas lockern, weil Sie den Verdacht hätten, dass die Blutzufuhr zu seinem Gehirn gerade unterbrochen sei, um anschließend zum nächsten Dönerstand weiterzuziehen.
Zugegeben: der Vergleich hinkt ein klein wenig. Schließlich eignet sich ein handelsüblicher Döner Kebap tendenziell eher weniger dazu, sich in seinem Inneren häuslich niederzulassen - von tragischen Einzelfällen in Form von Maden oder Würmern einmal abgesehen. Aber ebenso wie Dönerbuden, gibt es immerhin auch gemütliche Behausungen hierzulande in Hülle und Fülle - und zwar auch solche, in deren Besitz man ohne jedwedes Zutun von Immobilienmaklern zu kommen im Stande ist.
Dennoch muss man den Vertretern des eben genannten Berufsstandes zugute halten, dass sie wenigstens etwas tun (wenn ich auch nicht genau weiß, was) und nicht, wie so viele andere Menschen ohne vernünftige Ausbildung, bequem dem gemeinen Steuerzahler auf der Tasche liegen. So kam es, dass ich mich eines Tages tatsächlich auf das Experiment einließ, ein durch einen Immobilienmakler zu vermittelndes Wohnobjekt in Augenschein zu nehmen.
An der Haustür nahm uns hierbei sogleich ein seriös bekleideter, etwa dreißig Jahre alter Mann mit Burberry-Schal in Empfang. “Wohnung ist im ersten Stock. Wenn Sie Fragen haben - ich stehe hier!”, nuschelte er uns, gewürzt mit einer mittelkleinen Prise Arroganz entgegen. Wie befohlen bemühten wir uns daraufhin zwei Treppenabsätze aufwärts und quetschten uns mit gefühlten Tausend weiteren Mitbewerbern durch die - zugegebenermaßen recht schönen - neunzig Quadratmeter der zu vermietenden Wohnung. Dummerweise hatten wir tatsächlich eine Frage.
Unten angekommen, schenkte uns der Burberry-Schal keine zwei Minuten später dann auch schon seine Aufmerksamkeit. Jedoch nicht, ohne uns zuvor mittels professioneller Mimik mitzuteilen, dass er sein Geld (in diesem Falle übrigens rund 2.500 € - aber immerhin inklusive Umsatzsteuer) eigentlich nicht mit der Beantwortung vermeintlich blöder Fragen verdienen würde.
Wo denn der Platz für die Waschmaschine sei, wollten wir wissen. Seine Gesichtsausdruck veränderte sich plötzlich: Zur Lust- kam nun scheinbar auch noch Ahnungslosigkeit hinzu. “Mit solchen Problemen”, so seine missbilligende Antwort, “muss ich mich glücklicherweise nicht herumschlagen”. Selbstgefällig zupfte er sich seinen Schal zurecht. “Ich wasche nämlich nicht - ich lasse waschen!”
Irgendwie tat er mir in diesem Moment so unendlich Leid. “Sie Armer!”, ich tätschelte mitfühlend seinen rechten Oberarm. “Verdienen so viel Geld und wohnen immer noch bei Mutti?!”
Aus mir bis heute nicht ganz nachvollziehbaren Gründen entschied sich der Makler jedoch gegen uns. Sei’s drum - die eingesparte Provision investiere ich doch lieber in etwas Sinnvolles. Zum Beispiel in eine Autogrammkarte von Fürst Rainier und Grace Kelly. Oder in 10 Burberry-Schals.
Wobei… Besser nicht…
(C) Raymund Krauleidis 2008







