Leipziger Buchmesse 2008

Von Raymund Krauleidis | 14. März 2008 | Kategorie: Satirenews

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Am 13. März öffnete die Leipziger Buchmesse 2008 ihre Pforten. Grund genug, der Stadt des weltberühmten Allerlei einen Besuch abzustatten. Hier mein absolut subjektiver Erlebnisbericht (um die Bilder zu vergrößern, einfach anklicken)…

9:05 Uhr

flaggen1.jpgMein Flugzeug landet in Leipzig. Nachdem ich 2007 an selber Stelle und zum selben Anlass ein Schneechaos vorfinden musste, ist meine Erleichterung groß: dieses Jahr gibt es nur Wind und Regen. Das Sturmtief “Kirsten”, das gestern in den alten Bundesländern wütete, hat mittlerweile auch den Osten erreicht. Man hinkt hier scheinbar immer noch etwas hinterher - obwohl man sich weltoffen gibt.

9:30 Uhr

mdr.jpgntv.jpgDas Fernsehen ist auch schon da. Während ein adrett gekleideter und souverän wirkender Herr von n-tv irgendeinen anderen Menschen interviewt, der irgendwie wichtig aussieht, werde ich den Verdacht nicht los, dass man beim mdr in Sachen Optik und Körperhaltung der Moderatoren nicht sonderlich wählerisch ist.

Raten Sie mal, welcher der beiden Herren damit gemeint ist…

9:55 Uhr

schueler.jpgKurz vor Öffnung der Hallen bin ich von grob geschätzten 10.000 Schulkindern umzingelt. Soll noch einer sagen, dass es um die Leselust der Jugend schlecht bestellt wäre. Sie schwänzen scheinbar sogar die Schule um auf die Buchmesse zu gehen. Wenig später muss ich jedoch erfahren, dass die Schüler Leipziger Schulen von ihren Lehrern dazu gezwungen werden, die Veranstaltung zu besuchen.

roche.jpgUnd während die Eltern ihre Sprösslinge in Sicherheit wähnen, bekommen diese frühmorgens in der 3Sat Buchzeit von der mittlerweile auch schriftstellerisch tätigen VIVA-Moderatorin Charlotte Roche zu hören, dass die Protagonistin ihres aktuellem Buches “Feuchtgebiete” bereits als Kind mit Hämorrhoiden zu kämpfen hatte und deshalb schon kommt, “wenn der Schwanz nur im Arsch steckt und sonst nix berührt wird” (O-Ton). Das nenne ich kindgerechtes Bildungsfernsehen!

karasek.jpgWenig später liest Hellmuth Karasek in der LVZ Arena aus seinem neuen Buch. Von den Schülern ist plötzlich nichts mehr zu sehen.


 

 

11:02 Uhr

manga.jpgHabe die Schüler wieder gefunden. Mittlerweile sind sie nahezu komplett in Halle zwei versammelt und ergötzen sich an Manga-Comics. Mangas sehen so ähnlich aus wie einst Heidi - nur asiatisch, bunter und in brutal. Aber in der Regel ohne Hämorrhoiden

signierbereich.jpgBesonders coole Kids verkleiden sich gar so, dass sie wie ihre jeweiligen Lieblings-Manga-Charaktere aussehen. Mein kurz aufkeimender Glaube an die Jugend beginnt erneut zu bröckeln.

Derweil ist am Comic-Signierstand die Hölle los. Ein Dasein als Promi kann mitunter ganz schön stressig sein…


11:37 Uhr

bfd.jpgIch entdecke ein Buch mit meinem Namen auf dem Einband und will es signieren. Das Standpersonal schreitet jedoch umgehend ein und reißt mir den Kugelschreiber aus der Hand. Meine Frage, ob man denn nicht wisse, wer ich bin, wird ohne zu zögern verneint. Komme nur durch gutes Zureden um ein Hallenverbot herum.

Das Schreiben betriebswirtschaftlicher Fachliteratur ist offenbar für die Erlangung von Ruhm und Ehre nur wenig dienlich. Vielleicht sollte ich künftig lieber über Hämorrhoiden, Masturbation und Analverkehr schreiben…

12:03 Uhr

hotdog.jpgLangsam meldet sich der kleine Hunger. Beim käuflichen Erwerb eines XXS-Hotdogs (bzw. von dem, was man in Sachsen so “Hotdog” nennt) kommt es zu einem kleinen Mißverständnis. Scheinbar ging der Verkäufer fälschlicherweise davon aus, dass ich nicht nur einen XXS-Ossi-Hotdog kaufen, sondern gleich noch den ganzen Stand mit dazu pachten möchte. Anders kann ich mir den geforderten Geldbetrag jedenfalls nicht erklären.

Nächstes Jahr nehme ich Butterstullen mit.

13:07 Uhr

maennchen.jpgIch besuche meinen alten Freund Michael Holtschulte am Toonlight-Stand. spass.jpgHöchste Zeit, wie sich herausstellt: aus purer Langeweile fing er bereits damit an, Männchen in Bücher fremder Menschen zu malen. Kann ihn durch gutes Zureden vom Vandalismus abbringen.

Im Folgenden amüsieren wir uns prächtig…

14:00 Uhr

Zufällig komme ich am “Blauen Sofa” vorbei, auf dem gerade Helge Schneider Platz nimmt.

14:30 Uhr

helge.jpgIch weiß jetzt, dass Helge Schneider im Alter von 13 mit dem Rauchen begann, früher alles anders war und Schweinfurt auch irgendwie zu New York gehört - zumindest auf der Metaebene. Außerdem mutmaßt Schneider, dass besoffene Architekten für die zunehmende Urbanisierung und Amerikanisierung unseres Landes verantwortlich zu machen wären.

Seine Aussage “Ein gut geschriebenes Buch erzählt in einer Zeile mehr als ein schlecht geschriebens auf 100 Seiten” hat indes fast schon philosophischen Charakter. Helge Schneiders neues Buch bringt es übrigens auf stattliche 160 Seiten.

Ergriffen sinniere ich die nächste Stunde darüber, was mir das eben erworbene Wissen für mein weiteres Leben bringen könnte…

15:31 Uhr

Meine Füße schmerzen (eigentlich ist es eher so, dass ich sie schon gar nicht mehr spüre) und die vielen Menschen und Manga-Plagiate gehen mir mittlerweile ziemlich auf den Geist. Die Tatsache, dass jeder Besucher - rein statistisch gesehen - zwischenzeitlich mit 2,69 Tüten bewaffnet ist, macht das Durchkommen durch die eh schon schmalen Gänge kaum besser.

Mutiere zum Misanthropen…

16:29 Uhr

desinteresse.jpg

Irgendjemand liest aus irgendeinem Buch, was allerdings niemanden mehr wirklich interessiert.

Irgendwie kann er einem fast schon leid tun…

16:40 Uhr

Falls ich es bislang noch nicht erwähnt haben sollte: richtige Bücher gibt es auf der Leipziger Buchmesse übrigens auch!

Zum Beispiel hier:
islam.jpg

hier:
scientology.jpg

und hier:
bruce.jpg

17:16 Uhr

wiedersehen.jpgHabe für heute genug gesehen und freue mich dennoch schon aufs nächste Jahr! Gerüchte, dass die Leipziger Buchmesse künftig in Frankfurt stattfinden soll, wurden von der Messeleitung übrigens umgehend dementiert. Mittlerweile scheint sogar die Sonne.

In diesem Sinne: Auf Wiedersehen in Leipzig!

(c) Raymund Krauleidis 2008

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