Ärzte sind auch nur Menschen

Von Raymund Krauleidis | 8. August 2006 | Kategorie: Alltäglicher Wahnsinn

Creative Commons License photo credit: whiteout_box

Jetzt mal ganz ehrlich: Weshalb bescheißen Sie bei Ihrer Steuererklärung oder auf Ihrem Hartz-IV-Antrag? Weil Sie mehr Kohle wollen?! Na also! Dann regen Sie sich als Kassenpatient bitte nicht über Ihren Arzt auf, wenn Sie acht Jahre auf einen Termin warten müssen, während einem privat Versicherten sofort die Türe aufgehalten wird. Ihr Arzt strebt lediglich nach dem Selben wie Sie. Einen Unterschied gibt es jedoch: Er muss dafür nicht einmal bescheißen…

Wie in der freien Wirtschaft gilt auch bei Ärzten die sogenannte „Pareto-Verteilung”: mit 20% aller Kunden wird 80% des gesamten Umsatzes erwirtschaftet. Das sind die sogenannten „A-Kunden”, die es besonders zu betreuen gilt. Der Rest ist lediglich lästiger Bodensatz, mit dem sich eh nichts verdienen lässt.


DSC00165.JPGDiese A-Kunden heißen in der Medizin „Privatpatienten”. Und weil diese ganz viel Geld bringen, bekommen sie logischerweise auch früher einen Termin. Denn je eher ein Arzt das viele Geld für seine A-Kunden bekommt, desto größer ist sein Zinsvorteil, beziehungsweise desto eher kann er verreisen.

Würden Sie etwa einen Kunden, der Ihnen gerade einmal soviel Gewinn bringt, dass es für den Wochenendeinkauf reicht einem anderen Kunden, durch den Sie mit dem selben Aufwand locker einen dreiwöchigen Golf-Urlaub mit der ganzen Familie auf Mauritius finanzieren könnten bevorzugen? Vermutlich nicht…

Folglich ist es ganz normal, wie Ärzte handeln. Schließlich sind sie ja auch nur Menschen.

Es ist nur nicht ganz nachzuvollziehen, wieso sich mancher Politiker plötzlich darüber aufregt, dass dem so ist. Meines Wissens hat Gesundheitsministerin Ulla Schmidt noch nie vorgeschlagen, ihre eigenen Bezüge kürzen zu lassen, weil ihr das, was sie den ganzen Tag tut so unendlich viel Spaß macht. Arbeitet sie schlussendlich etwa auch nur des Geldes wegen?

Sie könnte ja beispielsweise - anstatt zu meckern - dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem entsprechend „angepasst” wird. Aber das wäre wohl zu ungemütlich. Somit wird das Thema kurzzeitig das Sommerloch füllen, um dann wieder diejenige Rolle einzunehmen, welche der gemeine Kassenpatienten bis auf weiteres bei seinem Facharzt inne hat: Die der Bedeutungslosigkeit.

Der Marburger Bund hat die Forderung von Ulla Schmidt bezüglich einer Gleichstellung von Privat- und Kassenpatienten übrigens gänzlich missverstanden. Mehrere Vertreter des Ärzteverbandes forderten doch tatsächlich, dass die Wartezeiten für Privatpatienten künftig denen der Kassenpatienten angepasst werden sollen.

Dann hätten die Ärzte endlich wieder mehr Zeit zum Streiken - sofern sie nicht zufällig gerade golfspielend auf Mauritius verweilen.

Wie dem auch sei: Bleiben Sie am besten einfach gesund - zumindest als Kassenpatient! Ihr Arzt wird es Ihnen danken.

(c) Raymund Krauleidis 2006

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